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30 Tage 30

Eigentlich stimmt der Titel nicht auf den Tag genau. Denn eigentlich bin ich nun schon seit genau 36 Tagen 30. Aber hey, bei 30 Jahren machen die paar Tage auch keinen großen Unterschied mehr.

Tatsächlich wurde ich in den vergangenen 36 Tagen aber kein einziges Mal gefragt, wie es denn so sei, 30 zu sein. Dafür umso öfter, wie es denn so mit Kindern aussehe. „Die Zeit tickt.“ „Du wirst auch nicht jünger.“ Na ihr wisst schon. Warum ich immer noch keinen Hund habe, wurde ich übrigens nicht gefragt.

Tatsächlich hat mich auch keiner auf meine nicht mehr ganz so neue Falte angesprochen, die gefühlt jeden Tag ein Stückchen tiefer wird und mich in den nächsten zehn Jahren in die jüngere Schwester von Angela Merkel verwandeln wird. Dafür wurde ich erst letzte Woche auf 27 geschätzt und habe mich so richtig darüber gefreut. Als ich mit 20 auf 17 geschätzt wurde (und das war noch gut, 15 war damals der  Toptip) sah das noch ganz anders aus.

Tatsächlich habe ich seit etwa einem Monat das Bedürfnis, mein Nasenpiercing zu reaktivieren. Zur Info: mit 20 fühlte ich mich zu erwachsen dafür und habe es entfernt. Das vorgesehene Löchlein dafür gibt es aber immer noch. Herzlichen Dank dafür an meinen sich altersgemäß regenerierenden Körper. Ich traue mich allerdings nicht so richtig, einen Ring dafür zu kaufen. Ich habe ernsthaft Angst, dass Leute denken, ich hätte eine Midlife-Crisis.

Tatsächlich habe ich in den letzten 36 Tagen ziemlich viele wahnsinnig erwachsene Dinge getan: Mir einen Locher gekauft, um endlich meinen Mietvertrag und meine Gehaltsabrechnungen in einen Ordner abzuheften. Eine Orchidee gekauft (gestern). Einen Käsekuchen ohne Backmischung gebacken um ihn zwecks Geburtstag mit ins Büro zu nehmen. Den Kuchen in einer dafür vorgesehenen Kuchentransportbox dorthin getragen. Urlaub in einer Villa mit Pool in Griechenland gemacht (okay, wie der Urlaub abgelaufen ist, war nur halb erwachsen. Aber wir hatten Mietautos Eineinself!). Mich in Athen gegen den Kauf einer Tasche entschieden, die ich wirklich gerne haben wollte, weil ich vermute, dass ich diesen Monat ganz viel Rundfunkgebühren nachzahlen muss. Mich mit meinem Vater, der seine Sommeruniform – Socken, Sandalen, kurze Hose – trug, in den Friedrichshainer Veganz getraut, um ihm nicht nur vegetarischen Turkey sondern auch die Berliner Hipstergemeinde zu zeigen. Ich finde, er war der tollste Hipster von allen.

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Tatsächlich habe ich in den letzten 36 Tagen aber auch viele wahnsinnig unerwachsene Dinge getan: Einen Flug nach England gebucht, obwohl ich weiß, dass ich diesen Monat ganz viel Rundfunkgebühren nachzahlen muss. Eine ganze Packungen nicht Bio Banana-Split Eis von Aldi (900ml) auf einmal gegessen und zum Nachtisch Käse (gestern). Billigen Weißwein gekauft, obwohl ich schon wusste, wie er schmecken wird. (Fast) darüber geheult, dass ich immer noch nicht klein, blond und niedlich bin. Aber ich hoffe weiter auf die Transformation. Flunkyball gespielt (aber diesmal mit Radler, was es gleich viel erwachsener macht). Trotz neu erworbenem Locher noch nicht alle Gehaltsabrechnungen abgeheftet und die Suche nach dem Rest der Abrechnungen noch nicht begonnen. Immer noch kein Hund, Kind, keine Zwei- oder Dreizimmer- oder Eigentumswohnung, keine Verlobung, keine Hochzeit, keine Pfannen für 300 Euro, kein Thermomix, keine Nespresso-Maschine, keine Hausratversicherung, keinen Bausparvertrag, keine Alterssicherung, keine Spülmaschine.

Aber dafür echt viel Antifaltencreme übrigens. Ich glaube, sie wirkt schon.

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