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Angekommen?

Mein letzter Blogpost ist ja nun doch schon eine ganze Weile her – und ich frage mich, was mich in den letzten acht Wochen eigentlich so aufregendes unternommen habe. Denn offenbar hatte ich ja keine Zeit – oder zumindest nicht genug Lust  – um hier zu schreiben. Wahrscheinlich gab es aber schlicht und einfach nicht wirklich etwas erwähnenswertes zu berichten.

Dabei bin ich doch zurück. Zurück in Berlin. Aber seltsamerweise fühlt sich das nach kürzester Zeit schon wieder so an, als wäre ich nie wirklich weggewesen. Heißt: ich mache einfach mal überhaupt nichts spannendes. Vor allem aber bekomme ich beim Gedanken an einen sonntäglichen Besuch auf dem Mauerparkflohmarkt nicht mehr rote Flecken im Gesicht vor lauter Aufregung. Stattdessen überlege ich, ob ich wirklich ausreichend gut gelaunt bin, um begeisterte Touristen, mutige Preise und bis an die Zähne aufgehipsterte Mittzwanziger länger als zehn Minuten zu ertragen – oder ob ich vielleicht doch lieber erstmal weiter auf Zalando  rumsurfe und mir später bei Rossmann am Alex neue Ohrringe kaufe (Rossmann hat übrigens in der Tat ziemlich schöne Ohrringe).

Zudem ärgere ich mich, wenn ich morgens volle vier Minuten auf die U2 warten muss. Vier Minuten! Geht’s noch? In meiner akribisch aufgestellten „Wann muss ich morgens allerspätestens aufstehen, um maximal zwei Minuten zu spät ins Büro zu kommen?“-Rechnung sind genau drei Minuten Wartezeit auf die U2 und allerhöchstens vier Minuten Wartezeit auf die M5 vorgesehen. Und ganz bestimmt keine Züge, in die man auf keinen Fall mehr einsteigen kann – es sei denn man interessiert sich so sehr für die Rucksack-Marke des Vordermanns, dass man gerne sein ganz Gesicht in den Rucksack drücken möchte. Da ich Rucksäcke allgemein nur so semi-spannend finde, muss ich also des öfteren auf die nächste Bahn warten. Das macht schon sechs Minuten Wartezeit. Untragbar. Ernsthaft. Fast wünsche ich mir ja die Busse aus Leeds zurück.

Ok, das war ein schlechter Witz.

Ich bin also wieder angekommen, genervt vom üblichen und natürlich auch glücklich über das übliche. Altbaufassen zum Beispiel. Umso besser, dass ich es tatsächlich geschafft habe, auf Anhieb eine Wohnung zu finden, die – aufgepasst – nicht nur im Altbau, sondern auch noch im Wedding liegt. Das bedeutet sozusagen doppeltes Ankommen. Vorausgesetzt ich könnte endlich einziehen. Denn Altbauwohnungen haben nunmal den Nachteil, dass sie ab und an nicht all das tun, was Wohnungen so grundlegend tun sollten. Regen abhalten zum Beispiel. Oder aber hässlichen Teppich selbständig gegen abgeschliffene Dielen austauschen.

Bis meine Wohnung (es ist übrigens ganz wunderbar „meine Wohnung“ sagen zu können, selbst wenn man effektiv gesehen die eigene Wohnung nur einmal betreten hat) dann wieder so richtig funktionstüchtig – oder sagen wir mal aufgehübscht – ist, habe ich immerhin genug Zeit so richtig in Friedrichshain zu wohnen. Das sollte man ja vielleicht tatsächlich einfach mal gemacht haben. Ist übrigens wirklich ganz nett da. Und  besteht aus mehr als der Warschauer Straße, dem Ostkreuz und dem Boxi. Das hatte ich nämlich zwischenzeitlich vergessen.

Natürlich habe ich nun auch genug Zeit, die Inhalte von Ikea.com auswendig zu lernen. Fast ist es schon soweit. Langweilig, ich weiß. Um richtig in Berlin anzukommen, sollte ich also vielleicht doch nächsten Sonntag über den Mauerparkflohmarkt flanieren bzw. mich durchquetschen, um ein Vintage-Regal für mindestens ein halbes Monatsgehalt zu kaufen. Stilecht.

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