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Ein böser Post

Überall springen sie mir entgegen: die Bilder in weißer Spitze gehüllter Körper, denen man ansieht, dass sie ein paar Wochen ohne Kohlenhydrate auskommen mussten, dafür aber eine gute Portion Sonnenbank, Sport oder zumindest Fruchtsäurepeelings abbekommen haben. Und natürlich die Händchenhaltefotos, die Kussfotos, die Pferdekutschen- und Lila-gelb-pastellirgendwas-Strauß-Fotos. Sie lauern immer dann ganz oben auf meiner Facebook-Timeline, wenn ich wahlweise mit meinem Freund per Telefon oder Chat-Fenster gestritten habe oder gerade die zweite Tafel Schokolade anbrechen möchte. Im Zweifel auch gerne beides gleichzeitig.

 

Gut, ich hatte nun eine Weile Zeit mich an diese Fotos zu gewöhnen. Sie geistern schon seit etwas mehr als zwei Jahren in regelmäßigen Abständen über meinen Laptop-Bildschirm und lassen die durchschnittliche Like-Quote aller mir angezeigten Facebookposts rapide nach oben schnellen. Neu sind hingegen die unzähligen schwarz-weiß Fotos winziger Händchen und Füßchen, die Bilder durch Sandstrand marschierender Babyspeckbeine und die mir auf Profilfotos sich entgegenreckenden Bäuche, die im Gegensatz zu meinem Bauch ihr Volumen nicht – oder zumindest nicht ausschließlich – von der nun dritten angebrochenen Tafel Ritter Sport Vollnuss beziehen.

 

Und dann muss natürlich auch noch die Heldin meiner späten Teenagerjahre schwanger werden. Bridget Jones, wieso tust du das nur? Die Schokolade, du und ich (und ab und an auch der Wein), wir waren doch so gute Freunde und haben uns jahrelang völlig genügt. Oder siehst du das etwa anders?

 

Was ich mich aber vor allem frage: seit wann bekommt man nicht mal mehr zwei Facebook Likes für Partyfotos, auf denen man – nach dem 60-minütigen Eindrehen von Locken unter Inkaufnahme zahlreicher Lockenstabverbrennungsmale –erstaunlich manierlich aussieht? Sind alle zu Instagram umgezogen? Sind Likes sowieso veraltet? Habe ich doch zu viele Falten? Oder kann man mit Babybäuchen und Brautkleidern eben einfach wirklich nicht mehr mithalten? Was Datenschutzbedenken und Prokrastinationsschübe bislang nicht schaffen konnten – schwarz-weiß-Füßchen und Herzchenluftballons lassen mich wirklich daran zweifeln, ob ich mein Facebookprofil noch so dringen brauche oder ob ich es (verspätet und daher aus unhippen Gründen) doch noch still legen sollte.

 

 

 

 

 

 

 

Zumindest bis zur ersten Scheidungswelle (Sorry).

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