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Eindrücke aus Manchester

Manchester und Leeds liegen mit dem Zug ca. eine Stunde voneinander entfernt. Beide haben in etwa gleich viele Einwohner – wenn man Wikipedia trauen darf. In England ist das mit den Einwohnerzahlen ja so eine Sache. Zum einen gibt es keine Meldepflicht (und übrigens auch keinen Perso), so dass es schon mal schwierig werden kann genau festzustellen, wer nun wo wohnt. Zum anderen ist nicht immer ganz klar, welche Bezirke und Orte nun eigentlich bei der jeweiligen Angabe der Einwohnerzahl  berücksichtigt werden. Manchmal beziehen sich die Zahlen tatsächlich nur auf die City an sich, manchmal auf das gesamte Metropolitan Borough, was dann alle möglichen Vororte und Dörfer um die Stadt herum einschließt.

Jedenfalls stehen Manchester und Leeds aufgrund ihrer ähnlichen Größe (auch außerhalb von Sport bzw. Fußball) und wohl auch geographischen Nähe in einem gewissen Konkurrenzverhältnis. Wenn es um den Bekanntheitsgrad geht, scheint Manchester hier aber auf jeden Fall die Nase deutlich vorne zu haben. Vielleicht liegt das hauptsächlich an Manchester United. Jedenfalls werde ich in Deutschland doch des öfteren gefragt, wo genau Leeds eigentlich liegt. Die Antwort „West Yorkshire“ hilft dann oftmals nur bedingt weiter. Wenn ich aber sage „ca. eine Stunde von Manchester entfernt“, dann nicken alle wissend (oder tun zumindest so, als hätten sie nun eine genaue Vorstellung). Manchester ist zumindest allen ein Begriff. Ein Grund mehr die Stadt ein bisschen genauer zu erkunden.

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Ich war bisher zweimal in Manchester (wenn man Flughafenaufenthalte unberücksichtigt lässt). Mit detaillierten Auskünften hinichtlich Lebensqualität, Nachtleben, Mietpreisen und den besten Pubs der Stadt kann ich also nicht dienen. Es gibt aber zumindest ein paar sehr augenscheinliche Dinge, die Manchester von Leeds unterscheiden.

Manchester hat eine Tram

Und damit sammelt es schon einmal etliche Pluspunkte auf meiner Attraktivitätsskala. Während der ÖPNV in Leeds leider ein Totalausfall ist – es gibt nur völlig überteuerte Busse, die so unzuverlässig sind, dass man sich Fahrpläne an den Haltestellen auch fast sparen könnte – gibt es in Manchester sechs Tramlinien, die schön regelmäßig fahren und zumindest den Innenstadtbereich gut erschließen. Ich liebe Trams (und U-Bahnen) ja generell, weshalb ich in Manchester aus reinem Vergnügen auf verschiedenen Linien umhergefahren und ab und an nach dem Zufallsprinzip auch ausgestiegen bin, um mir die Gegend etwas genauer anzusehen.

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Ich finde das ist eine wirklich schöne Art neue Städte kennen zu lernen. Man gelangt in Ecken, in die man sonst wohl nie kommen würde. Warum auch? Die meisten stehen weder in einem Reiseführer, noch muss man dort irgendetwas wichtiges erledigen. Aber man gewinnt auf diese Weise ein besseres Gefühl für die Größe einer Stadt und ihre unterschiedlichen Bezirke (was  mir, die ich quasi über gar keinen Orientierungssinn verfüge, enorm hilft, muss ich später wirklich mal von A nach B kommen). Manchmal entdeckt man auch ganz unerwartet und an den unmöglichsten Ecken neue Lieblingsorte – oder weiß zumindest, wo man so schnell nicht mehr hinmöchte.

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Auch in Leeds bin ich anfänglich in den nächst besten vorbeikommenden Bus gestiegen und bis zur Endhaltestelle  oder einer willkürlich ausgewählten Station gefahren. Aber letztendlich war der Aufwand auch wieder zurück zu kommen einfach zu groß – es ist nämlich gar nicht zwangsläufig so, dass sich die Bushaltestelle für den Rückweg direkt gegenüber der Bushaltestelle an der man gerade ausgestiegen ist, befindet. Zudem werden in den Bussen keine Stationen angesagt oder angezeigt, so dass man eigentlich nie wirklich weiß, wo man gerade ist. Ohne Orientierungssinn ist man also ziemlich aufgeschmissen bzw. hoffnungslos auf Smartphone, Google Maps und eine funktionierende Internetverbindung angewiesen. Nachdem ich zudem des öfteren eine halbe Stunde auf den Rückbus warten musste, in dem mich dann der gleiche Busfahrer wie auf dem Hinweg begrüßte und mitleidig fragte, ob ich mich etwa verfahren hätte, habe ich dieses Spielchen schließlich aufgegeben. In Manchester machte es mir auf einmal aber wieder richtig Spaß.

Manchester wirkt ziemlich groß

… und ein bisschen dreckig. Obwohl die Stadt, wie erwähnt, eigentlich nicht größer als Leeds ist, hat sie doch mehr von diesem typischen Großstadtcharakter zu bieten: laut und ruppig. Das ist einerseits aufregend, kann aber auch ein bisschen anstrengend sein. Ich mag große, lebhafte, ein wenig raue Städte wirklich gerne. Manchester ist mir also grundlegend sympathisch. Ich in aber kein Freund von Menschenmassen und vollgestopften Innenstädten, in denen man sich zwischen Handtaschen, Einkaufstüten und Kinderwägen von Ladentür zu Ladentür schlängeln muss. Rund um die Market Street und Picadilly Gardens ist es mir also zu voll und auch ein bisschen zu langweilig. Hier findet man die üblichen High Street Geschäfte, die man aus allen anderen englischen oder sogar europäischen Mittelstädten eigentlich auch kennt. Ein bisschen interessanter ist da schon das Northern Quarter, in dem man auch einige kleinere Lädchen und Cafés sowie das Manchester Craft and Design Centre findet. In dem alten viktorianischen Gebäude, das einst als Fischmarkt herhielt, werkeln heute Künstler und Designer – und verkaufen natürlich auch ihre Kunstwerke. Außerdem werden wohl regelmäßig Ausstellungen und Workshops veranstaltet.

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Ein bisschen abseits der Einkaufsmeilen kann man auch schön am Kanal und entlang spazieren – zwar ohne Naturkulisse, dafür aber nebst den unvermeidlichen roten Backsteingebäuden, die hier genau richtig am Platz wirken. Wie erwähnt ist es auch einfach mit der Tram aus dem Zentrum in die äußeren Bezirke und Vororte zu gelangen und sich hier genauer umzugucken. Die wenigsten Stationen, an denen ich ausstieg, führten jedoch zu besonders interessanten Straßen. Meistens handelte es sich tatsächlich um reine Wohngebiete, in denen ein Sainsbury oder Coop die Hauptattraktion darstellten. Aber ich habe natürlich auch viel zu wenig Tramstationen aufgesucht, um wirklich repräsentative Aussagen von mir geben zu können. Einen genaueren Blick wert scheint mir aber Chorlton zu sein. Hier geht es auf der Straße ziemlich lebhaft zu und es gibt wohl einige nette Restaurants, Lädchen und Cafés abseits der klassischen High Street Atmosphäre.

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Jedenfalls ist Manchester groß und interessant genug, um mehrere Ausflüge dorthin zu rechtfertigen. Ich bin sicher, dass man in der alten Industriestadt noch viel, viel mehr spannende, sehenswerte oder vielleicht auch einfach nur seltsame Orte entdecken kann und mag auf jeden Fall bald wieder hinfahren – und zwar nicht nur bis zum Flughafen.

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