image4

Vom englischen Sommer und deutschen Gewitterfronten

Früher dachte ich immer, ich sei kein besonders großer Sommerfan. Von zu viel Sonne bekomme ich Kopfschmerzen und Sonnenbrand. Genau richtig (und nicht vom Solarium) gebräunte Menschen verursachen bei mir, die ich einfach hoffnungslos weiße Beine habe, regelmäßig Neidanfälle. Und dann noch dieser Druck immer und ständig unbedingt draußen zu sein, zu grillen, zu baden, zu feiern – es ist doch schönes Wetter. Manchmal möchte ich ja doch einfach lieber mit einem Buch auf der Couch liegen.

Und trotzdem: wie ich ihn vermisse, den Sommer, den Berliner Sommer mit all den lauen Nächten, den Open Air Kinos und Badeseen, den Spaziergängen über das Tempelhofer Feld und am Maybachufer entlang.  Wie sehr es mir fehlt mit einem Wegbier am Abend über den noch warmen Asphalt zu laufen, stundenlang in Parks zu sitzen, lauwarme Club Mate zu trinken und gar nicht drüber nachzudenken, dass es ja auch bald wieder regnen könnte.

RrMVF6ZzR

England ist ja nun wahrlich nicht gerade bekannt für gutes Wetter. Das wusste ich auch vorher schon. Dass mir die Wechselhaftigkeit von (wenig) Sonne und (sehr viel) Regen aber so auf die Laune schlagen würde, hatte ich nicht erwartet. Den schwedischen (sehr kalten und schneereichen) Winter vor fünf Jahren fand ich schließlich ziemlich gemütlich. Ein wenig beängstigend ist auch die Tatsache, dass ich mich mittlerweile wirklich andauernd und mit allen möglichen Leuten über das Wetter unterhalten möchte. Vielleicht hoffe ich insgeheim den Regen durch ausführliche Beschwerden vertreiben zu können. Vielleicht passe ich mich auch einfach nur besonders gut englischen Konversationsgepflogenheiten an, wobei ich vermutlich deutlich mehr über das Wetter jammere als alle anderen.

image2

Klar geworden ist mir jedenfalls, wie sehr ich den Sommer doch liebe.  Oder gibt es etwa etwas besseres als an einer  lauen Sommernacht am See oder Flussufer zu sitzen ohne (unfreiwillig) nass zu werden oder zu frieren? Von meinem Schreibtisch am Fenster aus, wo mich die grauen Wolken deutlich daran erinnen, dass sie sich spätestens in ein paar Stunden wieder ausregnen möchten, erscheint mir das jedenfalls unmöglich. Und wer stört sich schon an stickigen Bahnen vollgestopft mit schwitzenen Menschen, deren Deo sicherlich nicht die von der Werbung versprochenen 48 Stunden durchhält? Ich doch nicht, niemals.

image1

 

Umso schöner war es also, dass ich letztes Wochenende die volle Ladung Berliner Hitze abbekommen durfte. Ich habe mich tatsächlich das allererste Mal nicht über 35 Grad beschwert und fand die Aussicht auf einen Sonnebrand zugegebenermaßen  ziemlich verlockend (danach werde sogar ich ein klein wenig bräuner). Dass ich anschließend ausgerechnet der Gewitterfront über Deutschland sei Dank 15 Stunden lang auf Flughäfen, Bahnhöfen und in Bussen verbringen durfte, ist dann wohl ein wenig ironisch. Aber einen Sonnebrand habe ich immerhin  doch nicht bekommen.

11714278_1029939337029873_17342542_n

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>